Informatives

Informatives über den Kleingartenverein „Eichengrund“ e.V. in Lübben (Spreewaid)

 

Die Kleingartenanlage „Eichengrund“ e.V. befindet sich am nördlichen Stadtrand von Lübben (Spreewald) zwischen einem vor rund 35 Jahren errichteten Neubaugebiet und dem Zusammenfluss von Berste und Spree. Die altehrwürdige Stadt Lübben, die in der Niederlausitz und somit im Land Brandenburg liegt, ist bekannt durch den bedeutenden Liederdichter Paul Gerhardt, der hier bis an sein Lebensende (1676) wirkte.

hi der Gegenwart wird die Stadt immer mehr vom Tourismus geprägt. Bereits 1999 wurde ihr von der Landesregierung der Titel „Staatlich anerkannter Erholungsort“ verliehen. Bei den Touristen ist Lübben auch bekannt als „Eingangstor“ zum romantischen Unterspreewald.

Die Straße Lehnigksberg zweigt von der Fernverkehrsstraße 115 zwischen dem Paul-Gerhardt-Gymnasium und dem Spreewaldhotel „Stephanshof“ ab und führt zur gleichnamigen Gaststätte „Lehnigksberg“ am Rande des Unterspreewaldes. Dabei kommt sie auch direkt an einigen Parzellen der Kleingartensparte „Eichengrund“ e.V. vorbei. Innerhalb des „Kreisverbandes der Garten- und Siedlerfreunde“ e.V. im Landkreis Dahme-Spreewald mit seinen rund 20 Kleingartenanlagen ist die Sparte „Eichengrund“ e.V. die größte mit fast 200 Gärten auf einer Fläche von etwa sieben Hektar Größe.

Ein ehemals am l. Juli 1947 in Lübben gegründeter Kleingartenverein entwickelte sich sehr schnell zu einer Interessengemeinschaft mit mehreren hundert Mitgliedern und gab sich den Namen „Liuba“, der slawischen Göttin der Liebenden. Allein im Frühjahr 1964 stellten 177 Einwohner, vor allem aus dem neu entstehenden Wohngebiet in Lübben-Nord, den Antrag auf Mitgliedschaft im Verein. Bereits Ende 1959 war in der DDR der „Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter“ (VKSK) gegründet worden, um den vielen im Land entstehenden Gartenvereinen eine einheitliche Struktur zu geben. Mit Hilfe dieser Organisation legte der „Liuba“-Vorstand im Eichengrund, einem ehemals von Eichen bestandenen feuchten Niederungsgebiet zwischen den Neubauten in Lübben-Nord und der erwähnten Straße nach Lehnigksberg, ein großes Wiesengelände für die vielen neuen und zukünftigen Freizeitgärtner zur Bearbeitung fest. Daraufhin trennte sich am 4. September 1964 meiner Mitgliederversammlung des Lübbener Kleingartenvereins „Liuba“ mit Unterstützung des „Liuba“-Vorstandes die Gruppe der neuen Kleingärtner vom Verein ab und gründete als neue Vereinigung die Kleingartensparte „Eichengrund“. Schon im nächsten Monat Oktober konnte der erste Vorstand der neuen Sparte gewählt werden.

Leider reichte zunächst das zur Verfügung gestellte Land nicht aus, alle Antragsteller sofort mit einer Parzelle zu versorgen. Mit Hilfe des VKSK und der staatlichen Stellen wurde weiteres Wiesenland an die zukünftigen Kleingärtner verteilt. Bereits 1966 waren in der neuen Kleingartenanlage 130 Gärten auf einer Fläche von 2,1 Hektar Land entstanden.

Mit den ersten Ernteergebnissen organisierte der Kreisverband des VKSK auch die ersten Wettbe­werbe um höchste Erträge und die Durchführung möglichst vieler unbezahlter Arbeitsstunden als Gemeinschaftsleistungen. Diese waren nötig, um Zäune um die gesamte Anlage, Lagerräume, einen Kinderspielplatz und eine Gemeinschaftstoilette zu errichten, sowie Wege zu befestigen und erste Stromkabel zu verlegen.

Um dem Vorstand der Sparte einen geeigneten Raum für Beratungen und die Aufbewahrung der Spar­tenakten zu ermöglichen, wurde das Lagerhaus erweitert und ein Büroraum angebaut. Die Mitglieder der Kleingartensparte „Eichengrund“ beteiligten sich auch an den vom Kreisvorstand des VKSK organisierten Ausstellungen, um die geernteten Obstfrüchte und Gemüsekulturen, darunter Tomaten, Gurken, Bohnen und Zwiebeln, darzubieten. Besondere Augenfreude erzielten die Kleingärtner in den öffentlichen Ausstellungen durch Blumen aller Art. Vor allem Rosen und Staudenblumen wurden anerkennend bewundert. Die Sparte organisierte 1970 sogar eine eigene Ausstellung mit geerntetem Obst, Gemüse und aufgezogenen Blumen, um den Besuchern zu zeigen, was durch Fleiß, Ausdauer und viel Einsatzfreude auf dem ehemaligen Wiesenland erzeugt werden kann.

Da es bereits damals in der Sparte auch Kleintierzüchter, Hühnerhalter und imker gab, konnten deren Leistungen und Erzeugnisse die Ausstellungen und die Ergebnisse der jährlich durchgeführten Wettbewerbsleistungen um höchste Erträge bedeutend verbessern. Das Ansehen der Sparte in der Öffentlichkeit nahm weiter zu.

Der VKSK hatte bereits auf seiner Verbandstagung im Jahre 1970 festgestellt, dass von 100 m2 Gar­tenboden 100 kg Obst und Gemüse geerntet werden können. Das wurde daraufhin von den verschie­densten Vorständen zum Leitmotiv der zu erreichenden Leistungen erkoren, so dass in der Folgezeit die Erzeugung von Obst und Gemüse als kleingärtnerische Haupttätigkeit und gleichzeitig zum Kriterium für die Bewertung als „Bester Kleingärtner“ oder für die Gartenanlage als „Staatlich anerkanntes Naherholungsgebiet‘ festgelegt werden konnte. So wurde auch vom VKSK behauptet, dass nur ein produktiver Garten ein schöner Garten sei. Daraufhin wurden Rasenflächen verkleinert, Ziergehölze entfernt und möglichst kleinwüchsige Obstbaumsorten gepflanzt. Doch viele Kleingärtner im Eichengrund sahen das anders und betrachteten ihre Gartenanlage vornehmlich als Erholungs­gebiet, um neue Kräfte zu sammeln, dem Alltag zu entfliehen, sich an den Blumen zu erfreuen und ihr kleingärtnerisches Geschick zu vervollkommnen.

Ab 1982 beteiligten sich die Kleingärtner aus dem Eichengrund auch am jährlich stattfindenden Lübbener Sommerfest, den „Spreewaldfestspielen“. Dort verkauften sie an sogenannten „Solibasaren“ Gemüse und Obst und übten mit den Erlösen Solidarität mit allen in Not geratenen Menschen auf der Erde.

1985 gestalteten einige Frauen der Sparte „Eichengrund“ eine große mit Blumen geschmückte Windmühle, die die Gäste des Spreewaldfestes auf die Sparte aufmerksam machte. Dafür wurden die Frauen von den Stadtvätern und vom Organisationskomitee des Stadtfestes gelobt und mit Urkunden geehrt.

Bereits 1983/1984 wurde im Grenzgebiet der Kleingartensparte zur Wirtschaftsfläche der Landwirt­schaftlichen Produktionsgenossenschaft hin eine „Grenzbegradigung“ durchgeführt, die dem Vorstand der Sparte eine Vergrößerung der Gartenanlage um 4.200m2 Boden einbrachte und somit weiteren Bürgern das Kleingärtnern ermöglichte.

1984  konnte das zwanzigjährige Bestehen der Gartensparte festlich begangen werden. Dabei waren Sport, Gastronomie und Tanz wichtige Bereiche, so dass bei der Vorbereitung auch die Freiluft­tanzfläche auf der Gemeinschaftswiese in aller Eile neu gestaltet werden musste. Bei herrlichem Sonnenschein freuten sich die Kleingärtner am Jubiläumstag über das in zwanzig Jahren Geschaffene, zeichneten die aktivsten Gartenfreunde mit den Ehrenzeichen des Verbandes aus, und bei fröhlichen Klängen einer Kapelle bis weit in die Nacht hinein wurde die neue Tanzfläche von Jung und Alt pausenlos genutzt.

1985  wurden die Kleingärtner im Eichengrund von einer sowjetischen Touristendelegation besucht, deren Mitglieder den Sinn und die Bedeutung einer großen Gartenanlage erkunden wollten. Die Touristen waren erstaunt, was die Kleingärtner alles erzeugten und lobten die Gastgeber für ihr Können und ihren Fleiß.

In den Mitgliederversammlungen gab es bisher ein großes Spektrum an Vorträgen, die sowohl Gesundheitsprobleme, Heimatgeschichtliches, Rechtsvorschriften aller Art oder Reiseberichte umfassten. Hinzu kamen Fachvorträge über die Fruchtfolge, die Schädlingsbekämpfung, die Veredlung von Obstbäumen oder die angemessene Düngung zur Ertragssteigerung, die immer von Fachleuten und Praktikern gehalten wurden.

Im  Prozess  der  Wiedervereinigung 1989/1990  vollzogen sich auch in der Kleingartensparte „Eichengrund“ viele Veränderungen. Gab es anfangs besorgte Mitglieder, die über die vielen Gerüchte und Vermutungen den Bestand ihrer Gärten und die Höhe der künftigen Beiträge verunsichert waren, so konnten bereits Mitte des Jahres 1990 Vertreter der wieder entstandenen Landesregierung auch den Kleingärtnern im Eichengrund mitteilen, dass ihre Gartenanlage erhalten bleibt.

Nach der Selbstauflösung des VKSK vertritt nunmehr der neu gegründete „Verband der Garten- und Siedlerfreunde“ e.V. die Interessen der Kleingärtner.

Mit der Wiederherstellung der deutschen Einheit hatten sich auch die gesetzlichen Grundlagen der Sparte verändert. So richtet sich nun die gesamte kleingärtnerische Anlage nach den Bestimmungen Bundeskleingartengesetzes, der Rahmenordnung des Landes Brandenburg, einer neuen Satzung sowie den neuen Pachtverträgen. Die Registrierung der Sparte im Vereinsregister des Kreisgerichts erfolgte am 2. November 1990. Die Sparte wurde damit ein „eingetragener Verein“ (e.V.) und somit auch rechtsfähig.

Auch im jährlichen Arbeitsablauf der Kleingärtner veränderte sich viel, konnten sie doch nunmehr ihre jeweiligen Interessen z.B. bei der Laubengestaltung, der Anbauvielfalt und die privaten Neigungen besser verwirklichen, so dass ihre Gärten immer mehr der Entspannung und Erholung dienen konnten.

Andererseits waren gemeinschaftliche Arbeiten im Anlagenbereich immer wieder zu leisten. So mussten Reparaturarbeiten an Zäunen und Toren erfolgen, im Toilettenhäuschen die Becken ausgewechselt, etliche Außenzäune verschiedener Gärten erneuert, ein Wasserhäuschen gebaut und die Schaukästen des Vereins zur Information der Mitglieder (insgesamt elf) öfters erneuert und ständig aktualisiert werden.

Probleme bereitet das Befahren der Gartenanlage mit Fahrzeugen aller Art, denn in ihrem Bereich gilt die Straßenverkehrsordnung, die leider nicht immer eingehalten wird.

Seit 2003 wurden nach und nach die Hauptstromleitungen erneuert. Alle Gartenwege erhielten Namen, so dass sich die Orientierung verbesserte. Die Kosten übernahm der Kleingartenverein.

2004 feierten die Kleingärtner den 40. Jahrestag des Bestehens ihrer Anlage. Musik, Tanz, Frohsinn für Jung und Alt und verschiedene kulturelle Darbietungen bestimmten den damaligen Verlauf des Gartenfestes.

Und das Vereinsleben geht weiter.

In der Folgezeit konnte das vom Vorsitzenden des Gartenvereins Hardy Syring gestaltete Logo an den großen drei Eingangstoren der Gartenanlage angebracht werden. Gebaut wurden auch ein neuer Vereinsraum, ein Trinkwasserbrunnen sowie ein Pumpenhaus, das im Sommer 2012 seinen Betrieb aufnahm.   Im   gleichen  Jahr  finanzierten  die   Mitglieder  des  „Darts-Clubs Eichengrund“  ein „Insektenhotel“ auf einem Spreewaldkahn, das sich seit dieser Zeit großer Aufmerksamkeit weit über die Grenzen der Gartenanlage hinaus erfreut.

Zum 50. Jahrestag des Bestehens der Gartenanlage im Jahr 2014 wurde ein umfangreiches Programm für alle Altersstufen der Kleingärtner gestaltet. Auch Berufskünstler traten in der Gartenanlage auf. Sie verbreiteten mit ihren Beiträgen Fröhlichkeit und Begeisterung…..

Gartenfreund und Vorstandsmitglied Lothar Hecht erarbeitete für den Kleingartenverein „Eichengrund“ e.V. eine eigene Internetseite, die über die Anlage weitere Auskünfte geben kann.

 

R.E.